
José Guadalupe Posada
Calavera Catrina, 1913
Zinkätzung, Blatt: 34,5 x 23 cm
Courtesy: Kunsthaus Zürich
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Kunsthaus Zürich Heimplatz 1 8001 Zürich Tel. +41 (0)44 253 84 84
Öffnungszeiten:
Sa/So/Di 10–18 Uhr,
Mi/Do/Fr 10–20 Uhr www.kunsthaus.ch
Das Kunstschaffen in Mexiko nimmt in der internationalen Kunst der
letzten 100 Jahre eine Sonderstellung ein. Konsequent verknüpfen die dort
arbeitenden Künstler aktuelles Zeitgeschehen mit der Frage nach
kultureller Identität. L’art pour l’art, Abstraktion oder Konzept-Kunst
sind allenfalls Randbereiche ihrer Produktion. Die Ausstellung bietet
einen kritischen, gegenwärtigen Blick auf das mexikanische Leben, welches
seit Jahrzehnten von Auf- und Missständen geprägt ist. Die Darstellung
der Alltagsrealität ist sowohl in der historischen, figurativen Grafik
fassbar, als auch in den Gemälden, Dias und Videos des 21. Jahrhunderts.
SOZIALE MISSTÄNDE AM PRANGER
Ausgangs- und Höhepunktpunkt sind die grafischen Blätter José Guadalupe
Posadas (um 1852–1913). Zu seinen bekanntesten Kreationen zählen die
Calaveras oder Skelettdarstellungen, insbesondere «Calavera Catrina» aus
dem Jahr 1913, mit denen er durch beissenden Sarkasmus und schwarzen
Humor auf die mexikanische Oberschicht vor und während der Revolution
anspielt. Die technische Perfektion der für mexikanische Gestalter
typischen schwarz-weissen Holz- sowie Linolschnitte und Lithografien ist
bemerkenswert. Die Illustrationen, die in der oppositionellen
Flugblattgrafik Einsatz fanden, gelten als Ikonen der Revolution. Dabei
stösst der Betrachter auf aufwühlende Szenen – von Folter, Tod und
Vertreibung. Neben Posadas Arbeiten sind Grafiken verschiedener Künstler
aus dem 20. Jahrhundert zu sehen, darunter Fernando Castro Pacheco
(*1918), Leopoldo Méndez (1902–1969) und José Clemente Orozco
(1883–1949).
POLITISCH-POETISCHE GEGENWARTSKUNST
Hinzu treten Werke zeitgenössischer Künstler wie Francis Alÿs (*1959),
Carlos Amorales (*1970) und Teresa Margolles (*1963), die ähnliche Themen
wie ihre historischen Vorgänger bearbeiten. Auf provozierende Weise
beziehen sie Position und decken die prekären Zustände in dem Land auf,
in dem sie leben. Der Belgier Francis Alÿs übersetzt die beklemmend enge
Lebensperspektive der Mehrheit der Bevölkerung in monotone, sandige
Landschaften, die von politisch-poetischen Statements überlagert sind.
Teresa Margolles zeigt Spuren von Gewaltverbrechen mittels Tankwagen an
der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Was wie ein Sprühnebel aus dem
Wagen tritt, ist Wasser mit dem die Kleidung der Leichen der am Wegrand
Ermordeten gewaschen worden ist. Auf den von verschwendeten Leben
getränkten Strassen bleibt ein feuchter Film zurück, der alsbald
verdunstet – sich verflüchtigt wie die Erinnerung an die täglich neu
begangenen Verbrechen. Ein wiederkehrender Einfluss bei Carlos Amorales
ist die mexikanische Symbolik. Der grafischen Technik verwandt, arbeitet
er mit den Klischees Mexikos, die in einem Dialog mit Posadas Werken
stehen. Ein grosser Rabe zwischen Totenschädeln auf einem Baum sitzend,
zieht den Besucher in den Bann.
VIELE WERKE ZUM ERSTEN MAL ÖFFENTLICH
Im Jahr 1959 eröffnete das Kunsthaus Zürich mit einer exotischen
Ausstellung zur präkolumbianischen, kolonialen und zeitgenössischen Kunst
sowie zur Volkskunst einen besonderen Blick auf Mexiko. Die von
Gastkuratorin Milena Oehy konzipierte und eingerichtete Präsentation von
mexikanischer Druckgrafik, ein Nischenbereich in der Sammlung des
Kunsthauses, knüpft daran an. Ein Grossteil der 43 Arbeiten wird zum
ersten Mal in der Schweiz öffentlich gezeigt. Eine im Tabloid-Format
erscheinende Zeitung enthält Angaben zu den 22 Künstlerinnen und
Künstlern sowie weiterführende Informationen über die Wirkungsgeschichte
Posadas oder eine neue Interpretation der Volkskunst. Sie wird den
Besucherinnen und Besuchern gratis abgegeben.
SCHENKUNG AN DIE SAMMLUNG DES KUNSTHAUSES
Den Grundstock für die Sammlung mexikanischer Druckgrafik, aus dem diese
Auswahl gezeigt wird, legte der Schweizer Fotograf Armin Haab
(1919–1991). In den 1980er Jahren schenkte er der Zürcher
Kunstgesellschaft seine über Jahrzehnte aufgebaute, rund 350 Blätter
umfassende Sammlung mexikanischer Grafik. Sie besteht u.a. aus
Lithografien, Radierungen, Holz- und Linolschnitten. Die Sammlung Haab
ist einzigartig in Europa und gibt einen gültigen Überblick über die
Entwicklung der figurativen Grafik in Mexiko während des Zeitraums von
1847 bis 1976.
Die Ausstellung wird unterstützt von der artEDU Stiftung und dem
Mexikanischen Honorarkonsulat. |